Vermissen tut weh…

Vermissen tut weh…

… 730 Tage.
730 Tage ohne dich.
730 Tage vermissen.
Zwei volle Jahre ohne deine Nähe, dein Dasein, ohne DICH.

Und wieder schreibe ich hier etwas, obwohl ich meine Gefühle nicht in Worte, geschweige denn in sinnvolle Sätze verpacken kann.
Während ich versuche, einen halbwegs vernünftigen Blogpost zu verfassen, laufen mir die Tränen über die Wange.

Es ist ein Tag wie jeder andere, dennoch tut es heute noch einmal wieder etwas mehr weh.
Ich sehe die Bilder in meinen Kopf. Die Bilder von meinem kleinen Sohn der keinen Atemzug mehr macht. Der einfach nicht mehr atmet.
Ich sehe uns, stehe als “Zuschauer” daneben, wie wir Hannes auf unseren Wohnzimmertisch reanimieren.
Wir geben nicht auf.
Von Sekunde zu Sekunde schleicht sich eine Gewissheit in den Hinterkopf die dir sagt “er ist tot”.
Er müsste doch atmen. Ich mache das, was ich gelernt habe, aber es funktioniert nicht.
Er atmet einfach nicht. Nicht mehr.

Es tut so weh.
Dieser Schmerz ist allgegenwärtig, aber heute, ja heute tut es noch einmal mehr weh.

Ich bin gereizt. Bin gefrustet. Bin unzufrieden. Ich weine. Heute wieder etwas mehr.
Ich fühle mich einfach so viel Leerer als sonst im Jahr.

An dich zu denken ist so leicht,
bei jedem Schritt auf meinem Weg.
Dich zu vermissen ist der Schmerz,
der ewig bleibt und nie vergeht.

Kai Sender

Ich vermisse ihn. Ich vermisse seine Anwesenheit und seine Zufriedenheit. Sein lächeln, sein weinen. Alles. Ich vermisse mein Kind. Meinen Sohn. Meinen Hannes.
Ich vermiss es, dass ich nicht mehr Erinnerungen habe. Nicht mehr als 16 Wochen und 6 Tage.
Ich hätte so gerne Bücher mit Fotos und Erinnerungen füllen wollen, ich hätte bestimmt unzählige Geschichte über meinen Sohn erzählen können und dabei immer ein funkeln im Auge zu haben und ein wärmendes, liebevolles lächeln im Gesicht, aber das kann ich nicht.

Dieses Jahr tut alles irgendwie noch mehr weh.
Die Hummel ist dieses Jahr auch trauriger. Als ob es ihr dieses Jahr wie mir geht. Als ob es mehr weh tut.
Es vergehen kaum Tage an denen sie nicht weint und sagt, wie sehr sie Hannes vermisst.
In den Augenblicken weinen wir zusammen.

Letztes Jahr konnten wir all dem entfliehen. Mussten nicht hier sein. Hier wo alles passierte. Hier wo die Zeit plötzlich still stand und Sekunden zu Minuten, Minuten zu Stunden wurden.
Dieses Jahr könnten wir nicht “fliehen”. Wir sind hier. Wir müssen uns unseren Albtraum stellen.

Ein Kind zu verlieren tut nicht nur in den Moment des Verlustes weh. Es schmerzt nicht nur der Gang zum Friedhof. Es tut weh, keinen einzigen gemeinsamen Tag mehr miteinander zu haben.
Es tut weh, keine weiteren erste Male zu genießen und ja, zu feiern. Kein erstes Mal krabbeln, kein erstes Mal Mama oder Papa sagen zu hören, kein erstes Mal laufen, kein gemeinsames Steine und Stöcker sammeln mit der Hummel, … ich könnte die Aufzählung ewig weiter führen.
Man verliert jeden gemeinsamen Tag, der gekommen wäre.

Vermissen tut weh.

Obwohl du nicht mehr da bist, oder gerade deswegen, erzähle ich allen von dir. Ich erzähle allen von Hannes.
Wenn ich könnte würde ich deinen Namen in die Welt rufen. Jeder sollte wissen das du existierst. Das du da warst, und immer da sein wirst.
Und das ganz viele Menschen an für uns wichtigen Tagen an dich denken.
HANNES DU WIRST GELIEBT.


Ich frage meine Trauer:
“Wie lange wirst du mich begleiten?”
“So lange, wie du deinen verstorbenen Menschen liebst und vermisst” flüstert sie.
“Dann wirst du bis zu meinem Lebensende bei mir bleiben.”



2 Comments

  • Christina
    12. November 2020 9:58

    Man kann nicht anders, als mitweinen. Auch mir laufen die Tränen, wenn ich das lese. Mein kleiner Enkelsohn (unser erstes Enkelkind überhaupt) ist gerade 13 Wochen alt. Ich kann und will mir schon nicht mehr vorstellen, ohne ihn zu sein. Unerträglich der Gedanke, er würde nur 16 Wochen werden.
    Vielen Dank für diesen Text, diese Worte. Danke für die wundervollen Fotos von eurem Söhnchen. Was für ein wacher Blick, was für liebe Augen. Wie unendlich traurig, dass er nicht mehr lebt!

    • FraeuleinAn
      23. November 2020 20:33

      Es tut mir leid, dass du mitweinen musst. Aber ich kann es nicht verübeln <3
      Ich dank für für deine Worte.
      Liebe Grüße <3

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