Wunschgeburt Kaiserschnitt?

Wunschgeburt Kaiserschnitt?

Hallo ihr Lieben,
heute möchte ich euch ein wenig etwas über die bevorstehende Geburt des Julijungen erzählen.
Wie der Titel es schon verrät, wird es ein Kaiserschnitt sein.
Nicht weil ich es unbedingt möchte, sondern weil es medizinisch notwendig ist.

Wie oft lese ich im Internet von den Traumgeburten im Geburtshaus, daheim, in der Wanne und und und. Ach ja. 
Meine Wunschgeburt bei der Hummel war es damals im Krankenhaus in der Badewanne zu entbinden. Einfach weil mein Mann und ich, nicht nur vom Beruf her, das Element Wasser toll finden, sondern weil ich mir eine Geburt in der Wanne sehr schön vorgestellt habe.
Also im eigentlichem Sinne ;-).
Aber wie es oftmals so ist, werden Wünsche schnell mal über Bord geworfen und es muss irgendwie anders gehen.
Nachdem Wannengeburt nicht möglich war, also normal. Dann ist es eben so.
Ich weiß noch ganz genau wie es vor etwas mehr als 3 Jahren war.
Blasensprung nachts – ohne Wehentätigkeit.
Diese blieb bis mittags aus, also Einleitung. Sofort wehen und sogar Muttermund auswirkend. Genial, es geht bald los. Ich war richtig motiviert.
Das veratmen empfand ich am schlimmsten, da man irgendwie nichts machen konnte außer den Schmerz veratmen.
Voll stolz habe ich auf Schmerzmittel verzichtet – das schaffe ich auch so.
Überraschend ging es dann doch los und ich hatte Presswehen.
An die Frage der Hebamme „Müssen sie pressen?“ kann ich mich noch sehr gut erinnern. Ich „keine Ahnung aber ich glaube ich muss dringend auf Toilette“ 😀
Erstes Kind, woher soll ich von irgendetwas eine Ahnung haben ;-).
Somit ging es vom CTG „Raum“ in den richtigen Kreisssaal – Wanne war wie gesagt nicht drin.
Ich habe mich richtig sinnvoll gefühlt. War voll motiviert und hatte eine wahnsinnige Vorfreude auf die Geburt, auf unser Mädchen.
Leider lief es ab dann alles andere als Bilderbuch reif.
Ich weiß, man liest am liebsten die Geschichten von tollen Geburten und und und.
Bei der Geburt der Hummel wurde mir plötzlich keine Wahl mehr gelassen.
Es hieß, versuche die Wehen weg zu atmen. Keine Erklärung warum.
Mein Mann, der die ganze Zeit dabei war, war genauso unwissend. 
„Wir warten auf die Oberärztin“. Langsam wurde ich schon etwas sauer kann ich sagen.
„Wo bleibt die denn“. Jegliche Umgangsform habe ich wohl vergessen 😉
Die sei zu Hause. „Was macht die bitte zu Hause“ „Es ist mitten in der Nacht, die Assistenzärzte seien im Dienst.“ 
Ahja.
Ich habe mich somit weiter ans veratmen anstatt ans pressen gemacht. Keine Erklärung warum.
Schon kam der Narkosearzt und unterschrieben sie hier und hier es geht gleich los in den OP.
Bitte was? 
Ehe ich mich versehen konnte wurde ich in den OP geschoben. Kaiserschnitt.
Darauf war ich nicht vorbereitet. 
Sie haben ewig versucht mich über den Rückenmark zu betäuben: Spinalanästhesie. Narkose stand somit in den Raum, jedenfalls wenn der letzte Versuch nicht gelingt.
Als es dann plötzlich los ging durfte mein Mann dazu kommen. Warum es ein Kaiserschnitt wurde, habe ich aus dem Abschlussgespräch hervor nehmen können und nachdem der Bericht bei dieser Schwangerschaft angefordert wurde.
Ich habe viel Blut verloren – vor dem Kaiserschnitt. 
Grund war ein Gebärmutterhalsriss. Wie ich vor einigen Wochen erfahren habe, war dieser bei knapp 2 cm. An der selben Stelle könnte der Gebärmutterhals nicht mehr reißen, aber an anderen.
Im OP bei der ersten Geburt wurde bereits gesagt, bei einer zweiten Schwangerschaft, mit 2 Jahren Abstand von Geburt zu Geburt, müsse ein frühzeitiger Kaiserschnitt vorgenommen werden.
Okay. Warum haben wir eigentlich erst bei der jetzigen Schwangerschaft erfahren. Meine Frauenärztin hatte extra noch einmal den ausführlichen Bericht angefordert und und und.
Gebärmutterhalsriss, T-Schnitt, Kaiserschnitt. Was auch immer alles bedeuten mag.
Für mich war der Kaiserschnitt keine Wunsch und schon gar keine Traumgeburt.
Er ist nicht schlimm – jeder reagiert anders auf Schmerz, er war notwendig und gut ist.
„Sei doch froh, dass du ein gesundes Kind hast.“
Ja das bin ich auch, aber ich musste es dennoch verarbeiten. Und das war nicht so einfach. Auch in dieser Schwangerschaft war die erste Geburt immer Thema und wird wohl immer Thema bleiben.
Im Hinterkopf spielt schon ein wenig die Angst mit. Auch wenn es jetzt wohl eine viel schönere Geburt wird – da der Kaiserschnitt definitiv sein muss.
Somit weiß ich seit gut 3 Wochen, wann der Geburtstermin ist. Es wird ein frühzeitiger Kaiserschnitt sein. Das heißt bevor Gefahr läuft, ich könnte Wehen bekommen.
Beim Gespräch im Krankenhaus mit der Oberärztin habe ich mich plötzlich so angekommen gefühlt. Wisst ihr was ich meine?
Ich konnte irgendwie die erste Geburt, die ein kleines Trauma ausgelöst hat, komplett verarbeiten und somit abschließen. Sie wird die Geburt durchführen – da es beim letzten Mal etwas schwierig war und sie meinen Verlauf der ersten Geburt kannte. 
Der Termin steht somit fest und für mich fühlt es sich jetzt perfekt an.
Ich weiß auch dieses Mal werde ich schmerzen haben und es kann immer noch etwas passieren, aber ich kann mich darauf vorbereiten – also auf die Geburt. 
Das konnte ich beim letzten Mal nicht und wurde mit vielen Ereignissen überrumpelt, wenig informiert, irgendwie alleine gelassen.
Wunschgeburten sind immer so ein toller Begriff. Gibt es Die richtige Geburt? Jeder empfindet eine andere Geburt als die Perfekte, aber was ist schon perfekt.
Ich finde man darf auch mal schreiben, dass etwas nicht so perfekt verlief – niemand muss sich verstecken – man darf erzählen das die Geburt unschön war, dass ein Kaiserschnitt belastend ist, das man sich danach als „Versager“ fühlt und und und. Ja auch ich habe mich ein wenig als Versagerin gefühlt. Ich war eben nicht im Stande mein Kind normal auf die Welt zu bringen. So vieles was ich mir gewünscht habe zerplatzte in wenigen Sekunden. 
Man darf auch mal andere Geschichten erzählen – es muss nicht immer DIE perfekte Geschichte sein.
Nun hoffe ich, dass die Geburt des kleinen Buben eine schöne wird. Anders, aber so schön wie es nur geht. 
Übrigens habe ich mir lange überlegt, ob ich von meinem persönlichen Erlebnis berichten soll, aber jetzt nach drei Jahren habe ich doch Abstand gewonnen. Auch wenn es sich vielleicht nicht schlimm anhört, für mich war es schlimm – wenn auch mehr seelisch als körperlich.

Ich freue mich auf den kleinen jungen Mann und darauf die extreme Wassereinlagerungen nach und nach adieu zu sagen.
Meine Collage zeigt die Zunahme sehr deutlich. Es ist so – es wird sich ja wieder ändern.
Habt einen schönen Sonntag.

Liebste Grüße, Andrea

10 Comments

  • Anonym
    15. Juli 2018 18:48

    Hey!
    Ich hatte auch einen Gebörmutterhalsriss….
    Ich hatte Glück und beide Kinder sind auf natürliche Weise gekommen.
    Ich hatte beim zweiten aber auch Sorge, dass es wieder passiert. Ich wünsche Dir alles Gute!
    VG Exilkoelnerin

    • FraeuleinAn
      15. Juli 2018 19:29

      Oh das ist schön, dass du dennoch natürlich entbinden durftest.
      Bei mir ging es damals sehr schnell und schon im OP wurde gesagt – nur noch Kaiserschnitt.
      Liebe Grüße 🙂

  • yase
    15. Juli 2018 18:53

    Ich wünsche Dir und dem kleinen Mann alles Gute!
    Ich hatte einen Kaiserschnitt, Steisslage, und zwei normale (was ist bitte normal?) Geburten. War so. War gut so….
    Und nun sind die Jungmenschen schon erwachsen….
    Ich freue mich mit Dir, dass alles dich richtig anfühlt!
    Herzlichst
    yase

    • FraeuleinAn
      15. Juli 2018 19:29

      Danke dir liebe Yase.

  • Rike Busch
    16. Juli 2018 5:17

    Ich wünsche euch alles Gute und drücke die Daumen! Ich finde es immer schade, dass man so wenig informiert wird. Warum kann man nicht schauen, was für ein Typ Mensch ist das? Kann sie wohl damit umgehen? Spätestens nach der Geburt wäre es schön gewesen. Aber ich freue mich, dass du dich jetzt richtig aufgehoben fühlst und die Ärzte sich auf euch beide einlassen. Dann wird es bestimmt eine schöne Geburt. Ich hatte einen Dammriss 2ten Grades. Auch nicht schön, aber zum Glück konnte ich unsere Schnucki nach 2.5 Tagen Einleiten nach Blasensprung auf natürlichem Wege bekommen. Einer Freundin von mir ging es ähnlich mit den zwei Kaiserschnitten (allerdings wegen Bluthochdruck etc.). Den zweiten hat sie regelrecht "genossen".
    Alles, alles Gute für die nächste Zeit! Ich freu mich auf Bilder vom kleinen Mann, wenn du sie zeigen magst
    LG Rike

  • Annika Ferk
    16. Juli 2018 6:46

    Hallo Andrea,
    Danke, dass du deine Geschichte mit uns teilst. Ich weiß von vielen Frauen, dass sie sich nach einem Kaiserschnitt als Versager sahen. Wie schön, dass du das endlich beenden konntest und dich nun voll auf den Julijungen freuen kannst. Wir Frauen stellen oft an uns selbst so hohe Ansprüche und merken gar nicht, was wir schon alles machen und leisten. Ich wünsch dir jedenfalls für die Geburt alles alles Gute. Bin schon gespannt auf deinen Zwerg 😙

  • Pe-Twin-kel
    16. Juli 2018 9:11

    Hallo,
    Ich finde es gut das du es niedergeschrieben hast, nicht nur für uns, sondern auch für dich. Ich hatte Präeklampsie und mein Sohn kam untergewichtig und 8,5 Wochen mit 1000g per Kaiserschnitt zur Welt. Habe ich mir alles nicht gewünscht, kam mir auch wie eine Versagerin vor, mein Kind ist in mir nicht gewachsen und kam per Kaiserschnitt. Danach gleich weg, hat dann nicht geatmet wurde beatmet und ich durfte ihn erst am nächsten Tag sehen. Das bleibt erst Mal im Kopf. Ich habe dann einfach hinterher alles gegeben, schöne Erinnerungen an meine Schwangerschaft habe ich nicht. Meinem Sohn, jetzt zwhn geht es aber gut. Ist halt ein zäher Dünnling. Ich bin stolz auf ihn, meinen Kämpfer. Dir noch eine gute Zeit und freu dich auf deinen Jungen, ich wünsch dir eine tolle Geburt und ein schönes erstes Wiedersehen.

    Liebe Grüße,
    Petra

  • Anonym
    16. Juli 2018 9:53

    Liebe Andrea
    Schon eine Weile verfolge ich Deinen Blog. Ich mag Deine Art zu Schreiben und Deine schönen, sauberen Arbeiten.
    Dein Bericht zur Geburt der "Hummel" hat mich sehr berührt und mitten ins Herz getroffen. Ich habe so ziemlich dasselbe erlebt. Es ist ein Trauma, das man nur schwer hinter sich lässt. Und man fühlt sich damit ziemlich allein. Ich kann wirklich gut nachvollziehen, wie's Dir ergangen ist. Da ich keine weiteren Kinder haben konnte, kann ich Dir keine Tipps für die nächste Zeit geben. Ich wünsche Dir aber von Herzen, dass die zweite Geburt für Dich entspannter wird und alle "nach Plan" läuft, sofern das überhaupt möglich ist.
    Von Herzen alles Gute, Monika

  • Laura
    18. Juli 2018 12:07

    Hallo Andrea,
    du brauchst dich nicht rechtfertigen dass deine Geburtsgeschichte so ist wie sie ist und dass du sie aufschreibst. Dass du Zeit für die Aufarbeitung gebraucht hast. Es mag schlimmere Geburtsberichte geben, aber es ist deine Geschichte und deine Gefühle absolut nachvollziehbar und valide.

    Ich habe selbst (noch) keine Kinder, finde ehrliche Geburtsberichte aber sehr interessant (wenn man das so sagen kann).
    Ich finde es schlimm dass man euch so wenig informiert und euch (auch noch so lange!) im unklaren gelassen hat. Man spürt ja wenn etwas nicht nach Plan läuft und all die Dinge die dir wahrscheinlich durch den Kopf gegeangen sind möchte ich mir auch nicht ausmalen.

    Für die Geburt des zweiten Kindes wünsche ich dir alles Gute!
    Liebe Grüße,
    Laura

  • Mama in Vollzeit
    18. Juli 2018 19:52

    Ach du gute… ich war drei mal "nicht im Stande" zu gebären *lach*, ich weiß so genau wie du dich fühlst! Es wird besser mit den Jahren, auch wenn ich doch ein bisschen traurig bin keine "richtige" Geburt gehabt zu haben. Ich kann einfach nicht mitreden, aber ich bin glücklich, wenn ich meine drei Räuber um mich habe – zwei davon waren Frühchen wegen Schwangerschaftsvergiftung… Der Satz stimmt leider, Hauptsache gesund…
    Liebe Grüße
    Natalja

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